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TV FILM

HATTINGER UND DIE KALTE HAND - EIN CHIEMSEEKRIMI

 
  • Jahr: 2013
  • Länge: 90'
  • Erstausstrahlung: 25.11.2013 / 6,05 Mio / 18,0 % MA
 
Network Movie, Jutta Lieck-Klenke im Auftrag des ZDF

Der neue Film von Hans Steinbichler mit erfolgreicher Premiere auf dem FILMFEST MÜNCHEN konnte auch sein Publikum beim ZDF erreichen und wurde von der Presse positiv besprochen. Besonders Edgar Selge bekam viel Anerkennung für sein brilliantes Spiel.

Kurzinhalt

Zwei Morde am Chiemsee – Kommissar Hattinger (Michael Fitz) von der Priener Polizei ermittelt: Zwischen den beiden Mordopfern scheint es eine schicksalshafte Verbindung zu geben. Und der Täter muss Kommissar Hattinger persönlich kennen, denn er provoziert ihn mit blutigen Hinweisen. Ein gefährliches Katz-und-Maus-Spiel beginnt…

Inhalt

Ein sommerlicher Tag am Chiemsee: Kinder entdecken auf einem Segelboot die Leiche eines Mannes. Kommissar Hattinger (Michael Fitz) und seine Kollegen von der Priener Polizei nehmen die Ermittlungen auf. Kurz darauf wird eine zweite Leiche gefunden: Die Autorin Annette Kaufmann (Ursula Karven) wurde in ihrer Ferienwohnung ermordet.

Es handelt sich um einen Serienmord, der Täter scheint Kommissar Hattinger persönlich zu kennen und provoziert ihn mit blutigen Hinweisen. Zwischen den beiden Mordopfern besteht seit Jahrzehnten eine schicksalshafte Verbindung: Beide tragen Mitschuld am Tod eines jungen Mädchens, das auf Grund eines Ärztepfuschs ihr Leben verlor. Damals wurde niemand zur Rechenschaft gezogen – heute deutet alles auf Selbstjustiz hin. In den Fokus gerät der Vater des Mädchens – Albrecht Ostermeier (Edgar Selge) lebt seit Jahren unauffällig in der Nachbarschaft des Kommissars.

Hattinger kommt der Wahrheit immer näher, ohne zu ahnen, dass er sich – und vor allem seine eigene junge Tochter Lena (Hanna Plaß) – in tödliche Gefahr bringt. Denn einmal unter Verdacht, schreckt Ostermeier vor nichts zurück …


Michael Fitz ist "Hattinger"

Kommissar Hattinger liebt seine Heimat, den Chiemsee. Er würde niemals weggehen, obwohl sein Privatleben ein einziger Scherbenhaufen ist. Nach der Scheidung hat er bisher nicht mal die Möbel ersetzt, die seine Frau mitgenommen hat. Und das Leben ohne sie macht ihm mehr zu schaffen, als er zugeben würde. Aber er hat das Thema gründlich gelöst: Hattinger spricht nicht darüber, und andere dürfen es auch nicht. Chaos verbreitet hingegen seine 16-jährige Tochter Lena, die den liberalen, toleranten Lebemann immer wieder zuverlässig an seine Grenzen zu bringen weiß.

In weiteren Hauptrollen spielen Edgar Selge („Poll“,„Polizeiruf 110“), Bettina Mittendorfer („Eine ganz heisse Nummer“), Ursula Karven („Wer liebt, lässt los“), Gerhard Wittmann („Die Tote ohne Alibi“) u.a.. Regie führt Grimme-Preisträger Hans Steinbichler ("Winterreise", "Hierankel"), der am Chiemsee aufgewachsen ist. Das Drehbuch schrieb Ariela Bogenberger ("Marias letzte Reise", „In aller Stille“) – ebenfalls Grimme- sowie Preisträgerin – auf der Grundlage des Romans „Chiemseeblues“ von Thomas Bogenberger. „Hattinger und die kalte Hand – Ein Chiemseekrimi“ ist eine Produktion von Network Movie, Hamburg. Produzenten: Jutta Lieck-Klenke und Dietrich Kluge. Die Redaktion im ZDF liegt bei Daniel Blum.

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"Für mich ist Heimat wirklich alles"
Interview mit Autor und Regisseur Hans Steinbichler

Wieso hat ausgerechnet eine Hamburger Produktion einen Film vor ihrer eigenen Haustür gedreht?

Die Zusammenarbeit ist einen interessanten Weg gegangen. Produzentin Jutta Lieck-Klenke und ich haben uns vor acht, neun Jahren kennengelernt. Wir saßen bei einem Essen zusammen und wussten erst nichts voneinander. Doch bald war die Sache klar, und mir rutschte der Satz raus: "Ach, sie sind die Mutter von Bella Block, ich hatte mir da ehrlich gesagt eine ältere Dame vorgestellt." Seither suchten wir nach geeigneten Stoffen. Das Verrückte war dann, dass wir erst sehr weite Wege gingen in unserer Suche: Von Nord- bis Ostdeutschland bis ins Ausland, aber immer funktionierte 'was nicht. Und plötzlich kam das Script, das am Chiemsee spielt, auf Juttas Tisch. Und so kommt dann Network Movie in meine Heimat an den Chiemsee.

Erleichtern Ortskenntnisse und eine Verbundenheit zur Umgebung Ihre Arbeit?

"Hattinger und die kalte Hand – Ein Chiemseekrimi" folgt quasi den Spuren meiner Kindheit: Alle Orte und ihre Bezüge sind Wege, die ich als Kind gegangen bin. Darauf konnte ich zurückgreifen; selbst eine unbewusste Kenntnis macht es ja leichter, man folgt ja dann gewissermaßen Traumpfaden. Die Entfaltung eines Buches findet im Raum statt, der Raum macht das Buch und ist das Wichtigste für ein Projekt. Absolute Heimatverbundenheit war schon immer die Basis meiner Arbeit. Der Begriff "Heimat" wird inflationär genutzt: Ich weiß das, aber für mich ist Heimat wirklich alles. Meine Arbeit bezieht sich immer auf Heimat: In der Hingabe genauso wie in der Abgrenzung.

Sie behandeln in dem Film den Verlust eines Kindes. Was war Ihnen wichtig, daran zu zeigen?

Wenn man Geschichten über Menschen erzählen will, gibt es einen entscheidenden Bruch oder die Veränderung im Leben des Erzählenden, nämlich, wenn man selbst Vater oder Mutter wird. Alle Geschichten erscheinen dann in einem anderen Licht. Diese Erfahrung – in meinem Fall Vater zu sein – ist bei "Hattinger" der "Treibstoff" für den Film. Den Verlust des Kindes habe ich komplett in meine Sicht auf die Täterfigur eingebaut. Ich versuchte, gedanklich zu postulieren: Der Verlust eines Kindes rechtfertigt jede Denkweise. Deswegen legte ich viel von meiner Empathie in den Täter, und ich hoffe, der Zuschauer tut dies auch. Das ist natürlich ein riskanter Ansatz, aber in der Fiktion wie auch in der Liebe ist eben alles erlaubt und möglich. Film und Literatur erlauben mir, in der Psyche meines Täters zu wandeln, und ich darf diese sogar noch nachvollziehbar auskleiden. Das will Hattinger, das sollte ein anspruchsvoller Krimi bieten. Ich will, dass der Zuschauer der Figur des Mörders nicht entgehen kann und gar nicht drum herumkommt, der Figur Verständnis entgegenzubringen, selbst gegen sein eigenes Empfinden.

Sind Religiosität und gesellschaftliche Konvention in ländlichen Regionen Bayerns relevant und beeinflussen das Leben der Menschen?

Man kann in Bayern feststellen, dass es einen inneren Zusammenhalt gibt – andere nennen es vielleicht kollektives Unbewusstes, der noch immer durch die Kirche und Konventionen geprägt ist. Bayern bleibt ein ländlicher Flächenstaat, und mir scheint es unabdingbar, dass Bayern durch den Glauben zusammengehalten wird. Dazu kann man stehen wie man will, aber ich finde diesen Umstand ganz entscheidend. Als Regisseur, der von diesem Land erzählt, ist man unter Beobachtung. Ich hatte 'mal folgende Begegnung: Ein Bauer kam auf mich zu, nachdem er einen meiner Heimatfilme gesehen hatte – die ja im Grunde diese Heimat komplett sezieren – und sagte: "Wer den Hass so genau beschreiben kann, muss dieses Land sehr lieben". Besser könnte ich das nicht auf den Punkt bringen. Also: Es wird durchaus geachtet von den Menschen vor Ort, was man als Kreativer hervorbringt, aber es wird auch sehr genau hingesehen, wie man es macht. Es muss wahr sein, einer innerer Wahrheit folgen.

In Ihren Filmen geht es häufig um menschliche Abgründe. Wieso der Rachefeldzug des Mörders nach so vielen Jahren? Schlummert in jedem von uns ein Psychopath?

In dem Kontext spielt das Landleben eine entscheidende Rolle. In der Stadt hat man Möglichkeiten, seine Umgebung selbst zu wählen, man kann sich dort einfacher äußern und auch eine innere Wut nach außen verstärken. Auf dem Land kann es passieren, dass man mit seiner Wut und seiner Trauer allein klarkommen muss. Für mich ist unser Mörder in diesem Film ein sogenannter "Schläfer": Er erwacht erst, als eine Person so nah an ihn herantritt – eine merkwürdige Frau, die für ihn sorgt, aber eigentlich Liebe von ihm will, dass seine Wunde aufgerissen wird und er reagieren muss. Er weiß, es ist seine letzte Möglichkeit. Der Unterschied in unserer Gesellschaft zwischen Täter und Nichttäter ist nur der zwischen latent und virulent. In jedem von uns schlummert zumindest ein Täter. Gotteseidank leben wir in einem Land, das die meisten Menschen weiter schlummern lässt. Aber wenn dieser dünne Firniss aufgerissen wird, versteht man diesen Mann möglicherweise. Und ich als Filmemacher darf und muss das ohnehin: Verständnis für jede Figur aufbringen.

Wie setzt sich Ihr Kommissar von den anderen bayerischen ab?

Hattinger ist der erste bayerische Kommissar, der zwar vom Land kommt, aber ein "Kommissar vom Land 2.0" ist. Und das aus einem simplen Grund: Er ist auf dem Land geblieben, schaut aber über den Tellerrand. Er ist am Chiemsee aufgewachsen, hat aber zum Beispiel sicher als junger Mann Klamotten aus der Stadt gekauft. Sein Alleinstellungmerkmal: Im Kopf ist er weggegangen, aber er arbeitet trotzdem noch vor Ort. Das macht die Reihe so besonders: Seine Frau ist weg, die Tochter lebt in Hamburg, alles sieht nach Heimatverlust aus, aber er entwickelt für sich dort am Chiemsee etwas Neues und ist mit seiner leichten Eitelkeit auch so etwas wie ein cooler Hund.

Was ist der Reiz am Genre Heimatkrimi?

Für mich war der Reiz an diesem Heimatkrimi, dass ich mit dem ZDF das zu Enge und Regionale so mancher neuer Formate verlassen konnte. Die Herausforderung war, einen Heimatkrimi zu bauen, der bis hoch nach Amrum verstehbar und nachvollziehbar ist – und damit meine ich jetzt explizit nicht den Dialekt. Das Genre Heimatkrimi funktioniert beim Publikum sehr gut. Wir nutzen den Bayernbonus, erzählen aber dennoch eine moderne, universelle Figur, die mehr kann, als eine Teilklientel in einer bestimmten Region zu bedienen. Wenn Sie so wollen: ein Bayer für ganz Deutschland, ein Universalbayer.

Das Interview führte Claudia Maxelon / erschienen im ZDF PRESSEHEFT

Stab

Nach dem Roman „Chiemsee Blues“ von Thomas Bogenberger

Drehbuch
Ariela Bogenberger in einer Bearbeitung von Hans Steinbichler

Regie
Hans Steinbichler

Kamera
Christian Rein

Szenenbild
Heike Lange

Kostüm
Katharina Ost

Musik
Alex Komlew

Casting
Franziska Aigner

Editor
Wolfgang Weigl

Produktionsleitung
Michael Schober

Herstellungsleitung
Roger Daute

Produzenten
Jutta Lieck-Klenke, Dietrich Kluge

Produktion
Network Movie, Hamburg

Redaktion
Daniel Blum


Die Darsteller

Michael Fitz
Edgar Selge
Bettina Mittendorfer
Golo Euler
Gerhard Wittmann
Hanna Plaß
Michael Fuith
Ursula Karven
Maximilian Schmidt
u.a.


Foto © ZDF / NETWORK MOVIE / Marco Nagel (Pressefoto: Claudia Maxelon)